Melsbija Platt

"Su schwättze ma."
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Gadoffel-i-schichte vom Freajoa bess en de Häast

Kartoffelgeschichten vom Frühjahr bis in den Herbst

15.07.2025 4 min

Zusammenfassung & Show Notes

Rudolf "Rudi" Muders, Jahrgang 1938, ein gebürtiger Melsbacher, liest seinen Text "Gadoffel-i-schichte vom Freajoa bess en de Häast", "Kartoffelgeschichten vom Frühjahr bis in den Herbst".
Den Text zum Mitlesen und die Übertragung ins Hochdeutsche findet sich unten (einzelne Wörter sind noch unklar).

Idee, Aufnahme und Produktion: Marcus Anhäuser, 2025.

Gadoffel-i-schischte vom Freajoa bess en de Häast
 
Bouaschlejt woaren ma nett, awwa ma hadden e Schdeck Feld von un-ifäa 12 Ar.
Newe an had Klabbasch Ohm Willem e Schdeck. Mett dem hamma emma i-tauschd. Su woaren enn ei Joa Reewe unn ett annare Joa widda Gadoffele droff. De Setzgadoffele woaren diskia (dis joa) sia degg. Ma konnd 2 Schdegga schnejde, unn ett woaren emma noch 3 oada 4 Ooche an ähnem Schdeck.

De Ohm Willem hätt dann memm Keefuawerk de Foore off-i-fahre unn de Ubba unn isch hann Gadoffelsschdegga i-laachd. Doamett emma enn schien gleischmäsischa Abschdand woa, sein de Gadoffelsschdeck emma fia an de Schooschbetz i-lachd woare, un-i-fäa emm Abschdand von 30 cm, datt ess un-ifä a Schoogries 43. Awwa isch hadd joa mett 7 Joa noch nett su gruse Fees.
Desweje hätt de Ubba ma e Schdeggelsche Breed unna de Schoo i-machd, unn soa hadd isch oach su enn gruse Foos.

Wenn de Setzgadoffele all en de Ead woaren, sein de Foore zo-i-fahre woare.
Wenn se dann bessje schbäda behääfeld woaren, woa an sisch nett mie fill ze mache. Schbäda, wenn ett Kraud schunn jause woa, hätt ma aaf unn zo moal i-guggd, off kän Gadoffelskäfa dran woaren. Eimoal sein ma hin-i-komme, doa woaren edlische rude Lawe dran. De Ubba soad: „Denn werren ma anhelfe". E had dehäm schunn enn Eima mett Bree an-i-setzt. Datt woaren ein Kilo Holundablääda off zehn Litta Wassa. Die Bree hamma dann mett na aale Loftschutz-schbretz aus emm Kreesch off ett Kraud i-schbretzt. Zwei Daach schbäda loachen die ganze Lawe zesamme-i-kringeld off emm Boddem. Wenn dann schunn Käfere drann woaren, muss ma zwei- oda dreimoal schbretze, awwa ett hätt i-holfe.
 
Aussa gedd Unkraud ze roabbe, woa emm Schessmeel nett fill ze mache woar.
Moal paa Daudesdelle unn gedd Schessmeel, datt woa och alles. 
 
Dann koam langsam de Häast. De Ubba had de Kella schunn feadisch i-machd enn de Eck, bo de Gadoffele hinkoamen, blitzblank i-kead. Am Gadoffelshiadsche sein dann enn paa neje Ladde drann i-komme, dat dat dann  widda en Ordnung woa. De Ubba soad: „Wenn ett Wedda god miasch, fänge ma moajen an ze graawe. Off emm Viakoapp hadden ma paa Foore Meddelfreje, doa loach ett Kraud schunn emm, unn konnd aaf-i-määd weere. Die paa Foore woaren schnell aus, ett woaren joa och nua 3 Zentna Bems Meddelfreje.

Dann koamen de schbäde Aggaseje dran. Am Daach hamma emma ähne Goan i-macht, datt woa su e Schdegg un-i-fäa von 5 Meda. Bess meddaachs woa dann i-graawe, unn nummendaachs sein de Gadoffele off-i-raffd woare en de Säck. Oamens hätt dann de Ohm Willem mim Kefoaweak oas die Säck heim-i-fahre.
Emm Kella woaren se dann schnell. Wenn Wedda woa, woaren de Gadoffele joa nett su dreggisch, unn de meisde Dregg ess schunn emm Felld aff-i-falle.
Su ging datt enn ganse Woach lang unn ma woa fruh, wenn alles feadisch woa. 
 
Awwa ebbes well isch Eusch noach fazeele, unn datt woa e Gadoffelsfeia oahne Fex.
Mia woaren baal feadisch memm graawe, doa had isch moa ebbes emm Kaaschd hänge. Datt soah aus bie ahle droggene Schoowegs. De Glombe woa su riedlisch-braun. Bie datt Zeisch an de Lofd koam, feng ett von selwa an ze brenne. Un de Ubba moch Schdemme: „Datt ess Phosphoa von na Bomb! Weaf ett off ett Gadoffelsschdrieh. Unn schunn hadden ma e Gadoffelsfeia oahne Fex.
Rudi Muders, Oktober 2010
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Hochdeutsche Übertragung

Kartoffelgeschichten vom Frühjahr bis in den Herbst
 
Bauersleute waren wir nicht, aber wir hatten ein Stück Feld von ungefähr 12 Ar. Nebenan hatte Klappertz‘ Onkel Wilhelm ein Stück. Mit dem haben wir immer getauscht. So waren in einem Jahr Rüben und das andere Jahr wieder Kartoffeln drauf. Die Setzkartoffeln waren dieses Jahr sehr dick. Man konnte zwei Stücke (ab)schneiden und es waren immer noch drei oder vier Augen an einem Stück.

Der Onkel Wilhelm hat dann mit dem Kuhfuhrwerk die Furchenaufgefahren und der Opa und ich haben Kartoffelstücke (hinein) gelegt. Damit immer ein schön gleichmäßiger Abstand war, sind die Kartoffelstücke immer vorne an die Schuhspitze gelegt worden, ungefähr im Abstand von dreißig Zentimeter, das ist ungefähr Schuhgröße 43. Aber ich hatte ja mit sieben Jahren noch nicht so große Füße. Deswegen hat der Opa ein Stückchen Brett unter die Schuhe gemacht und hatte ich auch so einen großen Fuß.
 
Wenn die Setzkartoffeln alle in der Erde waren, sind die Furchen zugefahren worden. Wenn sie dann ein bisschen später behäufelt wurden, war an sich nicht mehr viel zu machen. Später, wenn das Kraut schon draußen war, hat man ab und zu mal geguckt, ob keine Kartoffelkäfer dran waren. Einmal sind wir hingekommen, da waren etliche rote Larven dran. Der Opa sagt: „Denen werden wir helfen.“ Er hatte daheim schon einen Eimer mit Brühe angesetzt. Das waren ein Kilo Holunderblätter auf zehn Litter Wasser. Die Brühe haben wir dann mit einer alten Luftschutzspritze aus dem Krieg auf das Kraut gespritzt. Zwei Tage später lagen die ganzen Larven zusammengekringelt auf dem Boden. Wenn dann schon Käfer dran waren, mussten wir zwei- oder dreimal spritzen, aber es hat geholfen.
 
Außer etwas Unkraut zu rupfen, wo im Unkraut (Schessmeel) nicht viel zu machen war, mal ein paar Milchdisteln, und etwas Unkraut, das war auch alles.
 
Dann kam langsam der Herbst. Der Opa hatte den Keller schon fertig gemacht in der Ecke, wo die Kartoffeln hinkamen, blitzblank gekehrt. Am Kartoffel-Lattenrost sind dann ein paar neue Latten drangekommen, dass das dann wieder in Ordnung war. Der Opa sagte: „Wenn das Wetter gut macht (MIASCH), fangen wir morgen an zu graben. Am Vorkopf (Anfang des Feldes) hatten wir ein paar Fuhren Mittelfrühe (MEDDELFREJE), da lag das Kraut schon um und konnte abgemäht werden. Die paar Fuhren waren schnell weg, es waren auch nur drei Zentner BEMS Mittelfrühe.
 
Dann kamen die späten Acker?? (AGGASEJE) dran. Am Tag haben wir immer einen „Goan“ i-macht, das war so ein Stück von ungefähr fünf Meter. Bis mittags war gegraben und nachmittags sind die Kartoffeln aufgerafft worden in die Säcke. Abends hat dann der Onkel Wilhelm mit dem Kühefuhrwerk die Säcke uns heim gefahren. Im Keller waren sie dann schnell. Wenn Wetter war, waren die Kartoffel ja nicht so dreckig, und der meiste Dreck ist schon im Feld abgefallen. So ging das eine ganze Woche lang und man war froh, wenn alles fertig war.
 
Aber etwas will ich Euch noch erzählen, und das war ein Kartoffelfeuer ohne Fex/Fix (Streichhölzer? Feuerzeug?). Wir waren bald fertig mit dem Graben, da hatte ich mal etwas im Karst (Kartoffelhacke) hängen. Das sah auch wie alte, trockene Schuhcreme. Der Klumpen war so rötlich-braun. Wie das Zeug an die Luft kam, fing es an zu brennen. Und der Opa machte Stimmen: „Das ist Phosphor von einer Bombe! Wird es auf das Kartoffelstroh (vertrocknetes Kartoffelkraut). Und schon hatten wir ein Kartoffelfeuer ohne Fex/Fix.
 
Rudi Muders, Oktober 2010

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